Heinrich Fischbach

Flaggenwechsel in über 100 Jahren Elbschiffahrt

Die Sächsisch Böhmische Dampfschiffahrts Gesellschaft wurde 1867 gegründet, nachdem 32 Jahre vorher der Kaufmann Schwenke sich mit anderen Dresdner Bürgern zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen hatte, um die Elbe mit Dampfschiffen zu befahren. Schon die erste Flagge enthielt sowohl die grün - weißen Farben Sachsens als auch das Schwarz - Gelb der Stadt Dresden. Der Schornstein war zunächst schlicht in Schwarz gehalten. Später wechselten die Zeichen an den Schornsteinen öfters. Nachdem die Reederei 1923 eine. Aktiengesellschaft wurde, wechselten auch die Flaggen. Die Farben Grün - Weiß wurden beibehalten, es kam ein blauer Anker dazu.

1945 übernahm die Sowjetische Militärverwaltung die Reederei. Der Schornstein in Weiß bekam rote Streifen und einen Stern. Den roten Stern führte selbstverständlich auch der rot umrandete weiße Wimpel. Es soll auch gelegentlich ein roter Wimpel mit weißem Stern gezeigt worden sein. Von 1950 bis 1956 wurde auf den Elbschiffen die Flagge der Deutschen Schiffahrts- und Umschlagbetriebe gehißt. Ab 1956 bekam die Reederei wieder einen neuen Namen: VEB Fahrgastschiffahrt "Weiße Flotte". Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 hieß sie dann nur noch "Weiße Flotte Dresden". Es kamen wieder die grün-weißen Farben zur Geltung mit den Stadtfarben. Der Anker erhielt ein modernes Design und hob sich durch seine weiße Farbe vom schwarz-gelb gestreiften Hintergrund ab. 1993 wurde die Reederei von der Cosmos München übernommen und heißt jetzt Sächsische Dampfschiffahrts GmbH & Co. Conti Elbschiffahrts-KG. Auch eine neue Flagge wurde eingeführt, auf den grün-weißen Streifen im Oberteil ein weißes Halbrund und darauf eine blaue stilisierte Welle. Die Flagge erscheint auch als Band auf dem weißen Schornstein; es ist mit schmalen blauen Streifen eingefaßt. Das gleichen Design ist ebenfalls im Firmenzeichen zu finden. Das "corporate design" hat nun auch hier Einzug gehalten.

Anmerkungen zur Bedeutung der Reedereiflaggen und Schornsteinzeichen

Die erste deutsche Reedereiflagge ist wohl die Hanseflagge gewesen. Die Kaufmannschaften, die über zahlreiche Kontore in anderen Städten verfügten, führten für diese eigene Flaggen ein. Auch Herrscherhäuser und private Eigner gaben ihren Handelsschiffen eigene Flaggen. Diese Kennzeichnung läßt sich gewissermaßen aus heutiger Sicht als Werbung verstehen.

Durch die Umstellung der Segel- auf die Dampfschiffahrt kam eine neue Werbefläche dazu, der Schornstein. Zuerst wurden durch die Rußentwicklung bedingt, die Schornsteine in Schwarz gehalten. Nachdem man die Feuerung beherrschte, legte man ein Band um den Schornstein und gab ihm ein meistens der Flagge ähnliches Symbol. Der Schornstein selbst wurde in verschiedenen Farben gestrichen und erhielt oft ein schwarzes Top.

Nach dem Übergang von der Dampfschiffahrt zur Motorschiffahrt änderte sich der Schornstein. Um das einstige Schornsteinrohr gibt es heute eine freigestaltete Verkleidung, wenn die Auspuffgase nach oben abgeleitet werden. Ist das nicht der Fall, kann der Schornstein wegfallen. Und damit müssen die Firmenzeichen an anderen gut sichtbaren Schiffsteilen angebracht werden, z.B. am Steuerhaus oder an der Außenwand des Schiffsrumpfs. Da hier die Möglichkeiten besser sind, die Erkennbarkeit der Zeichen auf eine größere Entfernung zu gewährleisten als bei einer Flagge, verliert die Reedereiflagge am Schiffsmast zunehmend an Bedeutung.







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